Wir wollten Astrid in Poole treffen, um mir ihr an The Needles durch den Solent an der Isle of Wight vorbei zu segeln. Dann hat sich aber eine Schwachwindperiode angekündigt, sodass wir lieber den noch guten Wind nutzen wollen und Astrid dann in Portsmouth treffen. Wir segeln bei schönem Westwind nach Swanage und verbringen eine Nacht an einer Mooring, nachdem wir mit dem Dinghi in den Ort übergesetzt sind. Swanage hat eine schöne, alte Landungsbrücke mit schmiedeeisernem Gitter, ist aber ansonsten touristisch recht überlaufen.









Dann segeln wir bei frischem Wind der Isle of Wight entgegen. Wir erreichen die Einfahrt zwischen The Needles und den Sandbänken Shingles zur richtigen Zeit und bei gutem Südwest 5 Bft., sodass wir den Solent mit über 10 kn entlang rauschen. Ich hatte mich sehr auf den Anblick der Needles gefreut, da sie mich beim Passieren in umgekehrter Richtung im Jahr 2013 so begeistert hatten. Nun waren sie im Gegenlicht viel kleiner als in meiner Erinnerung, aber trotzdem sehr schön. In Portsmouth gönnen wir uns zwei Übernachtungen und freuen uns auf Astrid und auf die Stadt, die uns schon von weitem mit ihrem Wahrzeichen, dem markanten Turm Spinnaker, begrüßt. In der Marina bekommen wir direkt den Platz gegenüber dem grünen Leuchtfeuerschiff, in dem für unseren Bereich die Toiletten und Duschen untergebracht sind. Wir setzen mir der Fähre von Gosport nach Portsmouth über und verbringen den ersten Abend mit einem ausgedehnten Spaziergang entlang der Promenade und in der Altstadt, wo wir ein nettes Restaurant finden, um Fisch zu essen und einen schönen Wein zu trinken.












Am nächsten Morgen setzen wir erneut über, um uns im historischen Dockyard alte Segelboote anzusehen. Uns hat besonders die HMS Victory interessiert, mit der Vizeadmiral Nelson zu seiner letzten Reise in die Schlacht von Trafalgar gezogen ist. Wir hatten uns mit ihm während der Weltumsegelung öfter beschäftigt, wenn wir entsprechende Orte passiert hatten. Für die nächsten Jahre wird das Schiff, mit dem Nelson am 14. September 1805 Portsmouth verlassen hatte, äußerst aufwändig saniert. Die Masten wurden gelegt und werden saniert, die äußere Beplankung wird abgenommen und das modere Innere herausgetrennt und eine Vielzahl von Eichenplanken müssen ersetzt werden, denn sie faulen nun seit 200 Jahren in der Feuchtigkeit. Wir können zum einen von außen die Sanierungsarbeiten an der Steuerbordseite beobachten und danach das Innere in einem Rundgang durch alle Decks besichtigen. Wir verbringen viele Stunden dort, bevor wir uns zum Abschluss noch die HMS Mary Rose ansehen, die im Solent bei einem Gefecht mit den Franzosen 1545 sank und 1982 von Tauchern nach ihrer Wiederentdeckung gehoben wurde. Erstaunlich, wie viel von dem Boot gerettet werden konnte, das 437 Jahre am Grund des Solent lag. Danach treffen wir Astrid an Bord, die mit dem Zug aus Berlin zu uns kommt, um uns für eine Woche auf dem Weg nach Osten entlang der englischen Südküste zu begleiten.



Wie erwartet ist der Wind sehr schwach, sodass wir uns ein nahes Ziel für den ersten Tag suchen und bei bestem Wetter in den Chichester Channel einfahren. Wir bekommen einen Platz in der Marina Chichester Harbour Conservancy in Itchenor vom sehr netten Hafenmeister zugeteilt. Eine Wanderung führt uns entlang der aussichtsreichen Flusslandschaft in einem farbenreichen Abendlicht. Wie schon manches Mal begrüßt uns am Morgen der Nebel, es wird also doch herbstlich, aber ab Mittag wird es uns an Bord schon fast zu warm in der Sonne, während wir gemütlich unter Spi die englische Küste nach Osten segeln. Die ersten Kreidefelsen nach der Isle of Wight ziehen an uns vorbei.






Wir steuern am Abend Newhaven an, um die Reise zu unterbrechen, da für die Nacht und den folgenden Vormittag Flaute angesagt ist. Die Marina ist ausgebaggert worden und hat eine neue Steganlage bekommen, die in der Literatur noch nicht vermerkt ist. Der Ort selbst leidet an dem wirtschaftlichen Abschwung seit den 90er Jahren.









Unser Ziel ist Dover, das wir erreichen wollen, bevor eine Front durchgeht und starken Wind am Mittwochnachmittag bringen wird. Wir starten am Dienstag um 14:30 Uhr, da erst ab dann leichte Winde angesagt sind, die allerdings genau von vorne aus ENE bis NE kommen. Das bedeutet eine lange Kreuz über 58 Seemeilen und durch die ganze Nacht hinweg. Anke-Sophie ist wieder in ihrem Element und wir haben Freude daran, auf ihr unter Groß und Genua in den Abend zu segeln. Der Wind nimmt etwas zu, sodass wir in der Nacht ein Reff ins Groß nehmen. Die Abfahrt war so gelegt, dass wir die volle Tide über die Strömung mit uns haben und wir kommen so gut voran und erreichen das Kap Dungeness um 01 Uhr genau zu dem Zeitpunkt, als die Strömung kippt. Danach haben wir leider sowohl den Wind als auch die Strömung gegen uns, was man an dem ungünstigen Wendewinkel und den Kurven der Tracklinie gut sehen kann. Trotzdem kommen wir früh um 07:3 Uhr im Hafen von Dover an, wieder genau zum „Slack“. Die 17-stündige Fahrt hat perfekt geklappt, wir drei sind sehr gut zusammen gesegelt, wir holen etwas Schlaf nach, melden uns an und wenig später pfeifen die ersten Böen durch die Takelage und der Regen prasselt aufs Deck.














Am nächsten Tag wollen wir erst am Nachmittag ablegen, wenn der Wind abgenommen hat. Den Vormittag nutzen wir für eine Wanderung zu den weißen Klippen von Dover zum Leuchtturm South Foreland. Dann legen wir ab und segeln bei bewegter See nach Calais. Der frische Nordwind schiebt uns mit 5 Bft. über den British Channel. Wir weichen mehreren Frachtern aus, die dem Verkehrstrennungsgebiet folgen, das wir im rechten Winkel kreuzen. Außerdem überholen uns jede Menge Fähren bzw. kommen uns entgegen. Da das Schleusentor erst um 22 Uhr aufmacht, warten wir an einer Mooringtonne vor der Marina, bis die Brücke aufgeht und wir am Besucherponton anlegen können. Mike und Alice, Bekannte von Astrid und Uli, haben uns schon am Pier zugewunken und leuchten uns nun heim.






Am Freitag stürmt es draußen mit bis zu 40 kn aus Westen, sodass wir uns einen Pausentag mit Wanderungen entlang dem Strand gönnen. Wir entdecken Hunderte von gestrandeten blauen Quallen, die zwischen dem im Wind fliegenden Sand liegen. Ein weiterer Gang führt uns in die Altstadt. Ein große Freude bereitet uns, Käse auf dem Markt zu kaufen. Wir lieben französischen Käse, endlich mal wieder Bleu des Causses. Am Abend treffen wir uns zu fünft zum Sundowner im Segelclub, wo ich mir nach Jahren einen landestypischen Pastis bestelle. Danach gehen wir gemeinsam in ein Fischrestaurant.










Am letzten Tag mit Astrid legen wir zu Hochwasser zur Brückenöffnung um 13 Uhr ab und kürzen den Weg über eine Flachstelle ab, die bei Niedrigwasser nur ca. 1 Meter Wassertiefe gehabt hätte und nun aber 7 Meter auf dem Echolot anzeigt, bevor wir die französische Küste nach Osten bei nach wie vor frischem Westwind mit bis zu 28 kn entlang segeln bis Dunkerque. Dort spazieren wir von der Marina in die Stadt; wir erkennen sie wieder, denn wir waren schon einmal hier. Und dann heißt es leider wieder Abschied nehmen, denn Astrid fährt mit der Bahn zurück nach Berlin. Es war eine tolle intensive Segelwoche, wir haben viel zusammen erlebt.

