Cornwall – Devon – Dorset

In Padstow bleiben wir 5 Tage, da der Wind uns aus SW entgegenbläst. Ein gemütlicher Ort wie aus dem Mittelalter, der sich um den Hafen herum entwickelt hat, leider überlaufen von Touristen  mit ihren kläffenden Hunden. Wir haben den Eindruck, nicht nur dort, dass jeder Brite im Durchschnitt einen Hund besitzt. Wir suchen die Einsamkeit auf Wanderungen und finden sie dort auch. Einmal wandern wir zum Stepper Point, vor dem wir bei der Ankunft geankert hatten. Es sind wunderbare Blicke auf die Sandbänke der Flusslandschaft. Eine weitere Wanderung führt uns ins Landesinnere entlang dem Fluss Camel nach Wadebridge, auch ein netter Ort, der aber weniger von Touristen heimgesucht wird. Wir streifen durch die Altstadt und entdecken den Laden „Cheese“ und sind sofort begeistert. Eine Vielzahl Käse lagert in den Regalen und der Besitzer schwärmt von den unterschiedlichen Käsesorten, die er bei kleinen Farmen direkt einkauft. Wir kannten bisher in Großbritannien nur wsenig aromatischen  Käse aus dem Supermarkt und sind jetzt begeistert. Wir dürfen jeden Käse probieren und kommen in einen Kaufrausch wie zu Hause in der Arminiusmarkthalle bei Jan, unserem Käsehändler. Die letzten beiden Abende verbringen wir im „Old Custom House“, wo sich alle Seglerinnen und Segler aus dem Hafen versammeln, eine nette Runde Gleichgesinnter, mit denen wir uns über Ziele in Cornwall und um die ganze Welt herum austauschen. Wir bleiben durch eine WhatsApp-Gruppe die weitere Reise verbunden und geben uns gegenseitig Tipps.

Dann planen wir unsere nächsten Etappen wieder in Abhängigkeit von Wind und Strömung. Eigentlich wollen wir die Isles of Scilly  ansteuern, die 25 Seemeilen westlich von Land‘s End liegen. Wir hatten sie wegen schlechten Wetters 2013 nicht erreichen können, bevor wir über die Biskaya segelten und 2021 war Großbritannien noch wegen Covid geschlossen, als wir von Frankreich kommend an ihnen vorbei nach Irland segelten. Aber auch dieses Mal soll es nicht sein. Nach dem Starkwind aus SW sind für Sonntag 20.09.2026 in den Morgenstunden noch leichte Winde aus Nordwest angesagt, die dann mit dem sich durchsetzenden Hoch einschlafen sollen. Da die Schleuse am Sonntag ausnahmsweise nicht bedient wird, werden alle Boote gebeten, im „Pool“ vor dem Hafen zu ankern.

Wir entschließen uns, um 2 Uhr in der Früh den Anker zu lichten. Wir können den Fluss unabhängig von der Tide zur Mündung fahren, da wir Nippzeit haben und damit der Wasserstand auch bei Niedrigwasser genügend hoch über den Sandbänken liegt. Draußen finden wir tatsächlich passenden Wind um 4 Bft. und sind froh, so früh aus der Koje gekommen zu sein, bis Annette plötzlich ruft: „Wir hängen in einer Fischertonne“. Gemeinsam ziehen wir an den Leinen, die sich um den Kiel und das Ruderblatt gewickelt haben. Wir sind im Dunkeln in den Leinen einer dieser unzähligen Hummerkästen vor der Küste gefangen. Wir holen die Segel ein, setzen sie wieder und versuchen alles, nur die Maschine trauen wir uns nicht zu starten, denn dann könnten sich die Leinen auch noch im Propeller verfangen. Am Ende schneide ich die Leinen durch, um uns zu befreien. Ich hatte uns extra eine Taschenlampe am Bug befestigt, um die See vor uns zu beleuchten, da wir von den Fischertonnen wussten, es hatte nichts genutzt. Danach segeln wir gut die Nordküste Cornwalls Richtung Westen entlang, das Tageslicht kommt ab 6 Uhr langsam und später schläft der Wind wie vorhergesagt ein und wir starten den Motor. Wir verzichten auf die Scillys  und nutzen das ruhige Wetter, um Strecke nach Hause zu machen. Wir runden das Cape Cornwall um 12 Uhr und erreichen die Riffs um das berühmte „Leuchtfeuer Longship“, das durch den Hubschrauberlandeplatz zu erkennen ist. Wer kennt nicht die Bilder, wo die Gischt der See im Sturm bis zu 35 Meter hoch aufgepeitscht wird. Wir passieren zum Kipppunkt der Strömung bei wenig bewegter See entlang der Riffs, deren Namen vielsagend „Shark’s Fin“, „Kettle’s Bottom“ oder „Armed Knight“ lauten, und setzen unsere Fahrt bis Newlyn Harbour fort. Dort lade ich Annette zum Fischessen in die Seafood Bar „Mackerel Sky“ ein, die mir Doro vor unserer Abfahrt empfohlen hatte.

Am nächsten Morgen legen wir ab, um das ruhige Sommerwetter zu nutzen und um weiter nach Osten zu kommen. Unser Tagesziel ist Falmouth. Der Weg führt uns um Lizard Point herum, eines der starken Strömungsgebiete, denn es ist der südlichste Punkt Englands, wo die Gezeitenströme besonders stark umgelenkt werden. Wir werden gut geschoben und haben wegen der Nippzeit und dem fehlenden Wind keine Welle. Auf dem Weg nach Falmouth passieren wir wieder viele Hummerfallen und vor der Hafeneinfahrt werden wir über CH 16 alle halbe Stunde vor einer nicht explodierten Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gewarnt. Wegen des schwachen Windes lief die Maschine 6,5 Std. von insgesamt 7,5 Std., das machen wir ganz gegen unsere Gewohnheit nur, um Strecke zu machen. Am Abend schlendern wir durch die Altstadt von Falmouth und finden eine Bar mit Dachgarten, wo wir zum Sonnenuntergang lokales Bier trinken, denken daran, dass wir 2013 auch in Falmouth waren, und gehen dann an Bord, um dort zu kochen.

Am Morgen ist die ganze Bucht in dicken Nebel gehüllt, ein herbstlicher Anblick, auch wenn es viel wärmer ist, als wir es in Island hatten, für uns sind die letzten Tage im T-Shirt ein Nachholen des Sommergefühls bei 20°C. Wir brauchen keine 40°C, wie sie im Sommer in Deutschland waren. Noch in der Bucht setzen wir Segel und kreuzen gegen den Ostwind, wir lieben es, bei leichten Winden zu segeln, statt die Maschine zu nutzen. Anke-Sophie ist in ihrem Element, wenn sie aus 6 kn Wind immerhin 3 kn Fahrt macht, dann schläft der Wind leider ein und wir müssen doch ein Stück motoren bis zum nächsten Kap. Wir hatten uns den kleinen Hafen Polperro ausgesucht, der durch eine schmale Einfahrt zwischen den Klippen zu erreichen ist. Als wir dort ankommen, haben wir trotz des ruhigen Wetters Respekt vor der engen Einfahrt, in der wir uns mit Bug und Heck zwischen zwei Mooringtonnen mit Festmachern hätten vertauen müssen, und fahren ein Stück weiter, um unseren Anker in der Talland Bay zu werfen. Wir setzen direkt mit dem Dinghi an den Strand über und wandern kurzentschlossen den Küstenpfad bis Polperro. Als wir dort nach einem angenehmen Weg entlang der Klippen ankommen, tauchen wir in einen wunderbaren mittelalterlichen Hafenort ein, in den wir uns sofort verlieben. Dieser winzige Hafen, in dem alte Boote trockengefallen sind, ist von verwinkelten Gassen eingeschlossen. Wir essen in einem traditionsreichen Pub fish und chips und müssen leider danach sofort in unsere Bucht zurück wandern, denn es wird schon dunkel. Im letzten Licht setzen wir mit unserem Dinghi bei Mondlicht zur Anke-Sophie über. Wieder geht ein schöner Tag zu Ende.

Wir wollen nach Plymouth, um dort Fernando aufzunehmen. Wir haben guten Nordwind, mit dem wir die Küste entlang segeln können, bis er einschläft. Die letzten Seemeilen frischt es wieder auf und wir segeln hoch am Wind auf den Hafen zu, ein sportlicher Abschluss des Segeltages. Die Preise in der Queen Anne’s Battery Marina sind gesalzen, wir zahlen umgerechnet 65 € für eine Übernachtung, wir wollen uns aber nicht ärgern. Wir laufen durch die Stadt, kaufen ein und kochen nach der Ankunft von Fernando für uns drei.

Der erste Segeltag mit Fernando ist ein Bilderbuchtag. Sonne pur, der SE-Wind 3-4 Bft. steht entgegen, aber wir genießen die Kreuz vor der wunderschönen Landschaft. Am Abend kurz vor Hochwasser laufen wir in den Fjord von Salcombe ein. Normalerweise ist hier Hochbetrieb, dass manchmal drei Boote an einer Mooringtonne festmachen müssen. Jetzt in der Nebensaison können wir sogar am „Normandy Pantoon“ anlegen und haben direkten Zugang zum Land. Eine kurze Wanderung führt uns auf dem Rückweg beim Yachtclub vorbei, wieder ein historisches Gebäude, in dem wir als Gäste herzlich willkommen sind. Wir trinken unser Bier bei herrlichem Blick auf den Fjord. Wir studieren wieder Wind und Strömung. Nach Osten wäre ein früher Start um 6 Uhr möglich oder ein später um 14:30 Uhr. Der Wind soll nachmittags besser wehen, so fällt die Entscheidung einfach und wir schieben am Vormittag noch eine Wanderung in die verzweigte trockengefallene Fjordlandschaft ein.

Der zweite Tag beginnt mit einem frischen NW, der aber leider beim Start Point einschläft, dann aber kräftig wieder kommt, sodass wir ein Reff einbinden und damit den Berry Bead runden. Wir laufen in den Hafen von Brixham ein und legen zunächst am Events Pontoon an und bleiben dort, da es dunkel wird. Wirbekommen am nächsten Tag einen Liegeplatz, der zu unserem Tiefgang passt, um den windschwachen Tag mit einer Wanderung um das Kap zu verbringen, das wir zuvor umsegelt haben. Die Marina hat den Charme eines Großparkplatzes und auch der Ort fällt deutlich hinter das bisher Gesehene ab.

Unsere Planung sah vor, dass wir um 10 Uhr in Brixham aufbrechen, um am Bill of Portland die innere Passage zum Kipppunkt der Flut, der Strömung nach Osten, um 17:30 zu passieren. Der „Channel Pilot“ beschreibt die Passage dramatisch: „Portland Race is the most dangerous extended area of broken waters in the English Channel, overshadowing even Barfleur, the madness of Quessant and the Race of Alderney. Quite substantial vessels drawn into it have been known to disappear without trace”. Da verbringt man schon einige Zeit mit der sorgfältigen Planung, um an diesem prägnanten Kap gut vorbeizuommen, vor allem wenn man ausgerechnet zur Springzeit hier ist und die Gezeiten am stärksten setzen. Hier am Kap treffen zwei südgerichtete Strömungen quer auf die ost- bzw. westgehende Gezeitenströmung und auf einem sehr unebenen rauen Meeresgrund. Es gibt zwei Optionen. Wir wählen die kürzere innere Passage, da wir ruhige Wetterbedingungen erwarten und die Zeit der Ankunft so wählen, dass die Strömung nicht gegen den Wind setzt. Allerdings liegt der empfohlene Bereich direkt an der Felsenküste und ist nur 150 m breit. Auf der einen Seite die Klippen auf der anderen die „eddies“ und „overfalls“, was starke Wirbel und Stromschnellen meint. Am Morgen prüfe ich noch einmal die Wetterdaten und stelle fest, dass die durchgehende Front nun viel mehr Wind bringen soll, als am Abend zuvor angegeben. 35 kn Wind suchen wir nicht freiwillig und verschieben unsere Abfahrt auf 18 Uhr, um mit der Flut, der einsetzenden ostgehenden Strömung, die Lyme Bay zu queren. Wir wählen nun wegen der Dunkelheit die äußere Passage, die südlich um die races herumführt, auch um den verdammten Bojen der Hummerfallen zu entkommen. Unser Wegpunkt liegt 3 Seemeilen südlich des Bill of Portland. Ich hatte erwartet, dass wir in der entgegenkommenden bis zu 4 kn starken Ebbe-Strömung hängen bleiben werden und erst ab 6 Uhr den Bogen nach Norden in den Hafen von Weymouth segeln können. Der zunächst achterliche Wind ist jedoch frischer als vorhergesagt, raumt dann wie prognostiziert und wir rauschen unserem Wegpunkt so schnell entgegen, dass wir ihn tatsächlich genau zum Kipppunkt zur westgehenden Ebbe erreichen. Die entgegensetzende Strömung ist noch so schwach, dass wir gut zu den Sandbänken „The Shambles“ vorankommen. Das Hängenbleiben in der Gegenströmung entfällt dieses Mal zum Glück. Segelfreunde haben uns den „conventional wisdom“ mitgegeben, die Sandbänke um die Osttonne zu runden, anstatt die direkte Passage zu wählen. Der Weg ist länger, aber sicherer. Danach können wir anluven und die Strömung hilft uns sogar zum Hafen Weymouth. Wir machen in der Flussmündung hinter einem Traditionssegler an Steuerbord fest und trinken unser Anlegerbier glücklich um 03:40 Uhr. Die Überfahrt war bei Vollmond sehr angenehm und wir freuen uns, dass wir so schnell waren. Wir hatten mit einer Ankunft um 9 Uhr gerechnet. Leider muss Fernando uns nach kurzem Schlaf schon wieder verlassen, die beruflichen Pflichten rufen ihn nach Berlin zurück. 

Weymouth gefällt uns so gut, dass wir den Aufenthalt um einen Tag auf drei verlängern. Wir streifen immer wieder durch die Straßen, bewundern die schönen Häuser und unternehmen drei kleinere Wanderungen. Am letzten Abend besuchen wir den RDYC „Royal Dorset Yacht Club“, zwei Gebäude links vom Harbour Master, und werden wieder sehr herzlich empfangen. Toll, dass sich diese Clubs für fremde Segler geöffnet haben und der seglerische Austausch gepflegt wird. Zum Abendessen bereitet Annette uns ein leckeres Fischgericht vom Seeteufel auf Fenchelgemüse zu.

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