In Siglufjörður bleiben wir fünf Nächte, da draußen Ostwind mit über 35 kn weht. Im Fjord und bei uns im Hafen sind es deutlich mehr. Zum Glück liegen wir an einem neuen Schwimmsteg genau in Windrichtung, trotzdem werden wir in den Böen kräftig hin- und hergeschüttelt. Andreas kommt an Bord und bringt leider Dauerregen bei 4°C mit. Wir nutzen die Zeit für das tolle “Herringsera-Museum“, das sehr wirklichkeitsnah versucht, das damalige Leben zum Höhepunkt des Heringsfangs aufzuzeigen: Vollständige Fischerboote aus dieser Zeit sowie die Werkzeuge, aber auch die Lebensbedingungen der Heringsfrauen werden in Wort, Bild und in Natura dargestellt Am nächsten Tag, immer noch Dauerregen, schauen wir uns das Volksmusikmuseum an und lassen uns von der netten Frau viel über die alten isländischen Musikinstrumente erklären, und wir hören Videos über alte Volkslieder. Andreas kocht uns abends einen köstlichen Eintopf aus Rüben, Kartoffeln und gesalzenem Fohlenfleisch.





Am Sonntag hört der Regen endlich auf und wir werfen die Leinen los, um nach Hofsós. Angesagt ist Flaute und später 10 – 15 kn aus Osten, was für uns auf dem Weg nach Westen ideal ist. Aber auch morgens setzt sich im Fjord eine leichte Brise durch, gegen die wir gut ankreuzen können, bis uns draußen wie erwartet eine kräftige alte Dünung in Empfang nimmt. Zum Glück kommt bald der angekündigte Wind, sodass der Spi nur am Anfang sehr schlägt und wir dann eine angenehme Fahrt haben. Wir fotografieren die im Skagafjörður liegenden Klippen und rauschen unserem Ziel entgegen. Kurz vor dem Hafen wird es an Bord dann doch hektisch, denn der Wind verstärkt sich deutlich und wir sind froh, dass wir den Spi gut bei über 16 kn Wind geborgen bekommen. Der Hafen stellt sich als nicht sehr ansprechend heraus, alles ist verrottet, verrostet und voll alter Abfälle der Fischerboote, es gibt für uns wie so oft keine Toiletten, aber hier auch keinen Strom. Da heizen wir halt mit der Dieselheizung, auch gemütlich.









Am nächsten Morgen entscheiden wir uns früh, über die Bucht nach Sauðarkrókur zu laufen, leider ohne Wind unter Maschine. Der Hafenmeister Gusti hilft uns mit dem Landstrom und wir brechen am Nachmittag zu einer Wanderung auf, denn unsere Beine sind „eingerostet“. Das Wetter wird wärmer und der Regen erwischt uns nur ab und zu, kann uns aber nicht verärgern.



Ich hatte aus Stornoway von Tom erzählt, der große Probleme mit Korrosion im Bilgenbereich seiner Segelyacht Tusker hatte und viel Arbeit in sein Schiff gesteckt hatte, um das Blei zu entladen, das Alu zu reinigen, es dann mit Platten von innen mit Spezialkleber zu verstärken und neu zu isolieren. Wir blieben in Kontakt und Tom segelte einige Wochen nach uns schließlich zu den Färöer-Inseln, um später über Island nach Hause nach Neufund zu segeln. Als ich nach einigen Tagen nach seiner Ankunft in Vágur frage, wie es ihm und seinem Schiff gehe , kommt die Antwort: “Hi Thomas, the boat is ok, but unfortunately I developed a heart condition and have to leave the boat and fly home before it gets worse, the plan is surgery shortly after I arrive. I will have to abandon the boat. If you know anyone that would like a free boat send them to Sorvagur Faroes Islands, it would make me feel better if someone enjoyed the boat rather than it being broken up.“
Wir waren betroffen und sehr traurig über diese Nachricht und haben überlegt, was zu tun ist. Ich habe dann Ulrike gefragt und sie diskutierte mit ihrem Freund Mike, der gerade mit ihr an Bord war, dass er bereit sei, das Schiff von den Färöern nach England zu bringen und selbst zu nutzen. Es gab dann einigen Schriftwechsel, Tom flog nach Neufundland und überstand seine Herz-OP gut. Es stellte sich heraus, dass Uli und Mike den Bootsbauer von Tusker 2023 in Galway trafen und bereits damals von dem Boot hörten. Mike tauschte sich mit Tom aus und kaufte das Boot für 1 GBP. Er flog zu den Färöern, um es zu holen. Dort angekommen, musste er feststelle, dass jemand vom Boot den Kartenplotter, das UKW-Sprechfunktgerät und das Satellitenmodem Iridium Go! gestohlen hatte. Was für eine Gemeinheit. Wir können uns nur vorstellen, dass es ein anderer Segler war. Es hat uns sehr berührt, diese Geschichte zu verfolgen, und auch, wie klein diese Welt ist mit den vielen Anknüpfungspunkten
Die nächste Etappe ist länger, wir stehen früh auf, denn wir müssen aus dem Skagafjörður gegen den angekündigten Nordwind kreuzen. Leider müssen wir die ersten drei Stunden motoren, da der Wind auf sich warten lässt. Doch dann zieht unsere Anke-Sophie bei leichtem Wind um 5 kn immerhin mit 3,5 kn durch den Fjord und bald immer flotter, dass es eine Freude ist. Am Kap können wir abfallen, um die Nordküste mit großem Abstand wegen der vorgelagerten Untiefen entlangzulaufen und später mit einer Halse in den Húnaflói, der letzten großen Bucht vor den Nordwestfjords, abzubiegen und mit Rauschefahrt vor dem Wind unter Schmetterling nach Skagaströnd zu segeln. Dort werden wir vom Hafenmeister Birgi begrüßt.






Das Schwimmbad direkt am Hafen besuchen wir am nächsten Morgen für unser Reinigungsprogramm mit Duschen, Schwimmen, Hotpot und Sauna. Danach fragt Annette einen Fischer nach Fisch und hat wieder Erfolg, also sind wieder zwei Abendessen gesichert. Wandern und Einkaufen runden den Tag ab. Eigentlich wollten wir ein Stück weiter nach Süden nach Blönduós segeln, aber der Wind kommt aus SE und der kleine Hafen ist in dieser Richtung offen. So entscheiden wir uns lieber für zwei weitere Tage in Skagafjörður zu bleiben.




Wir starten gleich morgens zu einer Rundwanderung um das Bergmassiv Árbakkafjall herum, da für Nachmittag Regen angesagt ist. Sie ist in einer Broschüre mit 13 km ausgewiesen.. Wir nehmen nur drei Äpfel und drei Schokoriegel mit und wandern zunächst das Tal Hrafndalur nach Westen und biegen dann in das Tal Kambadalur ab. Der Pfad verliert sich je höher wir steigen, bis wir nur noch Schafswegen folgen. Als ich auf meinem Mobiltelefon nachsehe, sind wir schon über 10 km gewandert. Da ist klar, dass die Angabe mit 13 km vollkommen falsch sein muss, denn wir haben zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Annette und Andreas wollen nicht umdrehen, also geht es weglos über einige Höhenrücken, bis wir endlich langsam nach Süden um das Massiv herumkommen. Wir folgen weiter den Schafspfaden, die in unsere Richtung ziehen über die Wasserscheide hinweg und dann abwärts zum Tal Hallárdalur, das uns nach Westen zurück zur Küste folgen soll. Leider setzt nun der erwartete Regen ein, die Äpfel sind gegessen und uns bleiben nur drei Snickers als letzte Trümpfe gegen den einsetzenden Hunger. Tatsächlich erreichen wir nach acht Stunden ohne Pause und 28,7 km wieder den Hafen.







Andreas und ich setzen sich wieder in den Hotpot zur Entspannung der Muskeln zusammen mit netten Einheimischen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wir durch spontane Gespräche nette und interessante Leute kennenlernen. Die Direktorin der „arts in residence“ lädt uns zu einer Ausstellung der Künstler-/innen am nächsten Tag ein. Wir genießen die Ausstellung und eine Lesung internationaler Künstler-/innen und Annette lädt Andreas und mich am Abend in das Hafenrestaurant zum Essen ein. Ausnahmsweise können wir bei Sonnenschein draußen sitzen.


Morgens um 2 Uhr mache ich einen Bild vom Sonnenaufgang.

Wir tanken am nächsten Morgen Wasser am Steg und legen früh zum letzten Teil dieser Etappe Richtung Hólmavík ab, denn am Nachmittag wird sich ein kräftiger Wind aus NE durchsetzen. Am Sonntag soll er zum Starkwind anwachsen, da wollen wir sicher im Hafen liegen. Wir haben zu Beginn noch sehr leichten Wind aus NW und spiegelglatte See, bis der Wind tatsächlich auf Nord dreht und wir mit 6-7 kn unserem Ziel entgegenlaufen. Wir rechnen nicht mehr mit Walen, als Annette plötzlich ruft „Wal auf ein Uhr“. Andreas freut sich besonders, denn beinahe hätte er ohne whale watching nach Hause müssen.












Im Hafen legen wir uns an den NE-Pier und hoffen, bei Starkwind gut und sicher zu liegen.