Nach unserer Reise zu den Färöer Inseln haben wir Anke-Sophie in Stornoway auf den Äußeren Hebriden über den Winter liegen lassen. David, ein Waliser, besucht jeden Monat sein Schiff für eine Woche und sieht auch nach Anke-Sophie. Er schickt mir jeweils ein Bild zu.


Wir hatten nur einen der begehrten Plätze im geschützten „Inner Harbour“ bekommen, mit dem Versprechen, dass wir auf dem Boot im Winter leben. Um nicht ganz geflunkert zu haben, reisen Annette und ich im Januar für zwei Wochen nach Stornoway, um auf unserem Schiff zu leben und die lange To-do-Liste abzuarbeiten. Wir fahren mit der Bahn von Berlin nach Amsterdam, dann mit der Fähre nach Newcastle und von dort mit der Bahn mit Zwischenstopp in Edinburgh bis Inverness, wo wir ein zweites Mal übernachten, um am Morgen den Bus nach Ullapool und von dort die Fähre nach Stornoway zu nehmen. Es sind also 2 ½ Tage Anreise, wenn man auf das Fliegen verzichten will.





Wir haben hier sehr schöne Tage. In Berlin sind es -10°C und hier +8°C, ein deutlicher Unterschied. Neben vielen anderem bauen wir ein zweites Echolot ein, da das Hauptecholot ab und zu streikte, und reparieren die Kompassbeleuchtung sowie das Steuerbordpositionslicht. Bei der Schneiderin Morag, die uns schon 2023 half, bestellen wir neue Bezüge für die Matratzen der Vorderkabine, da sich dort leider über den Winter Schimmelbelag gebildet hatte.







Wir unternehmen einen Ausflug und besuchen mit einem Mietwagen die Westküste von Harris. Das Licht an diesem zunächst trüben Morgen und später bei wolkenlosem Himmel und die wechselnden Landschaften faszinieren uns sehr.




Dann verabschieden wir uns von Anke-Sophie. Auf der Rückfahrt beobachten wir eine Berge-Übung des Rettungshubschraubers auf unserer Fähre.

Nach drei Monaten in Berlin treffen Annette und ich am 22. April wieder in Stornoway ein, um das Schiff für die Fahrt nach Island vorzubereiten. Wir lassen das Schiff in der neuen Marina aus dem Wasser liften, um das Unterwasserschiff zu reinigen, vor allem den Propeller, an dem sich wie üblich die Seepocken angesiedelt hatten, und wechseln die Anoden.








Im Hafen ist nun mehr Leben. Wir lernen Tom kennen, einen Neufundländer, der mit seiner Yacht Tusker aus Halifax kommt und nun zurücksegeln will. Er hilft mir, als ich es nicht schaffe, den Ölfilter der neuen Maschine zu lösen. Mein Werkzeug zerbricht und ich verletze mir den kleinen Finger der linken Hand. Mit seinem Werkzeug schaffen wir es auch zu zweit nicht. Erst als ich beim Fischershop ein besonders kräftiges besorge, kann ich den verdammten Filter lösen. Er ist danach ganz zerbeult. Umgekehrt kann ich Tom bei seiner Elektroinstallation helfen. Er hat außerdem große Problem mit dem Rumpf, denn die Isolation des Kielraumes war wohl defekt und so korrodierte das Aluminium unter dem Bleiballast und er hat große Bereich im Rumpf, wo Löcher entstehen. Zum Glück entdeckt er den Wassereinbruch vor der Abfahrt, das hätte mitten auf dem Atlantik übel ausgehen können.


Annette und ich arbeiten die Punkte auf unserer Liste einen nach dem anderen ab und gönnen uns ein Konzert im Kulturhaus An Lanntair

oder unternehmen Wanderungen. An einem besonders schönen Tag fahren wir mit dem Bus bis Màraig und wandern entlang von Seen durch die Heidelandschaft nach Tarbert.








Morgen, am 5. Mai, kommt Hans-Martin zu uns und wir sehen nach dem richtigen Wetterfenster für die Überfahrt nach Island. Leider zeigt die Prognose für den 8. Mai ein kräftiges Tief, das sich auf uns zu bewegt. Wir wollen auf keinen Fall 56 kn Wind erleben, deshalb werden wir vorerst warten.
