Nach unserer Ankunft auf Island in Fáskrúðsfjörður und einem Pausentag segeln wir wegen der Tide erst am Nachmittag nach Eskifjörður, da wir die Strömung mit uns nehmen wollen. Allen, die sich dafür interessieren, empfehle ich die isländische App für Welle und Strömungen https://sjolag.is/en



Zwischen der vorgelagerten Insel und dem Kap gibt es eine gefährliche Untiefe, die in der Karte nicht richtig vermessen ist, Ketet hatte uns davor gewarnt, aber sie ist durch sich brechende Seen gut zu erkennen. Wir gelangen nach einer guten Kreuz in den nächsten Fjord,wo wir nach einem schönen Segeltag am Abend neben der Yacht X-Trip von Micha festmachen. Er kommt aus Stralsund und lebt seit Jahren in Island und unternimmt viele Fahrten nach Grönland, die auf Youtoube gut dokumentiert sind. Wir freuen uns auf angenehme Stunden im naheliegenden Thermalbad. Es fühlt sich schon sehr besonders an, im Freien bei 4° C zu schwimmen und neben sich die verschneiten Berggipfel zu sehen. Die Sauna rundet das noch ab. Hans-Martin überredet uns, das Mittagessen in der Tankstelle einzunehmen, denn dort gibt es „Mom’s“. Wir nennen es „Futtern wie bei Muttern“ und es gefällt uns so sehr, mit den Arbeitern der Gegend hier zu essen, so dass wir das die nächsten Tage wiederholen. Wir verbringen zwei Abende mit Micha, der uns viele Tipps über Island gibt. Im Bild zeigt er uns einen in Grönland gefundenen Zahn vom Pottwal. Er empfiehlt uns unbedingt die isländische Nationalspeise „Hákarl” zu probieren. Es ist Grönlandhai oder Eishai, der nur fermentiert gegessen werden kann, da er ansonsten giftig ist. Er riecht und schmeckt wohl sehr extrem nach Ammoniak, da diese Haie den Harnstoff nicht aussondern, sondern zum Druckausgleich im Gewebe nutzen. Obwohl ich in fremden Ländern nach Möglichkeit immer die nationalen Gerichte probiere verzichten wir dieses Mal darauf, wir haben aber eine kleine Packung im Supermarkt extra für euch fotografiert.










Annettes Augenlid ist entzündet und wir besuchen das nahe Gesundheitszentrum. Da kein Arzt vor Ort ist, telefoniert die Hebamme mit einem Arzt und dieser stellt ein Rezept aus und sendet es mit einer Personalnummer zur Apotheke in Egilsstaðir. Wir verbinden den Ausflug mit einem Besuch von Syðisfjörður, wo wir Hans-Martin zur Fähre nach Hirtshals bringen. Es sind angenehme Erinnerungen für mich, denn hier hatte ich zusammen mit Astrid, Carola und Gunter eine tolle Wanderung, bevor wir hier 2023 die Fähre nahmen. Wir machen den Ausflug mit dem Bus und vermeiden so eine weitere Fahrt mit dem Schiff in den tiefen Fjord hinein und wieder heraus. Wir fahren über den vollkommen verschneiten Pass, welch ein Unterschied zum Sommer…




Zum Abschied treffen wir den Hafenmeister Ketet noch einmal zum Bezahlen der Hafengebühren. Er bringt Gebäck mit und erzählt uns beim Kaffee von alten Zeiten. Seine Mutter wurde 1920 noch in einem Erdhaus geboren und er sagt uns, wie froh er ist, in der jetzigen Zeit zu leben, denn früher war alles unglaublich hart in Island.

Für den nächsten Tag ist mäßiger Nordwind mit 16 – 20 kn aus Nord in Böen angesagt. Der Wind ist zwar gegen uns, aber wir wollen nach fünf Tagen Hafen auslaufen. Im Fjord gleiten wir bei sehr wenig Wind unter Maschine an den verschneiten Bergen vorbei, eine ruhige besinnliche Fahrt. Im letzten Drittel können wir die Genua zum Groß setzen und segeln zunächst angenehm durch die Fjordlandschaft. Aber sobald wir das Kap erreichen, frischt es plötzlich auf 22 kn auf und wir müssen die Genua gegen die Fock tauschen. Ohne Handschuhe bekomme ich bei 3°C schnell klamme Finger. Zum Glück pendelt sich der Nordwind bei 16 kn ein, sodass wir gut vorankommen, leider zieht Nebel auf und ein Nieselregen macht das Segeln unangenehm, sodass wir sehr froh sind, hinter dem Kap am Holzsteg von Neskaupstaður eine Steckdose zu finden, die uns einen warmen gemütlichen Abend an Bord ermöglicht, während es sich draußen immer mehr einregnet.










Da der Wind erst am Nachmittag auf Süden drehen soll, verbringen wir den Vormittag mit einem Spaziergang durch den langgestreckten Ort, besuchen das Café und gehen im Thermalbad schwimmen. Ich sitze eine Weile im Hotpot und bestaune die Schneeberge im direkten Anblick gegenüber. Wir segeln langsam den äußeren Teil des Fjords hinaus, um dann vor der kolossalen Küste nach etwas Warten auf den Wind den Spi zu setzen. Welch ein Unterschied zu gestern, heute vor Wind bei mit 7°C doppelter Temperatur. Später tauchen wir in den Seenebel ein, der vor der Küste liegt. Wir kommen gut voran und als der Wind deutlich auffrischt, bergen wir den Spi und laufen raumschots auf das Kap zu, hinter dem der kleine Hafen Havnarhólm im Borgarfjörður liegt. Der Hafenmeister Ketet hatte uns diesen wegen der Puffinkolonie empfohlen. Erst beim Festmachen am Außenpier fängt es an zu regnen, was für ein Timing! Wir verbringen einen gemütlichen Abend unter Deck. Nachts, um 04:30, werde ich wach, da der Wind in der Takelage heult. Es fällt mir ein, dass wir das Großsegel wegen des einsetzenden Regens nicht gesichert hatten, das muss ich nun schlaftrunken nachholen. Den Rest der Nacht schlafe ich unruhig, da die Falle schlagen. Also kommt mir der Vorsatz, in Zukunft wieder mehr Seemannschaft am Abend zu zeigen und Ruhe in der Nacht zu haben!









Am Morgen besuchen wir die Papageientaucher und brechen nach dem 10-Uhr-Espresso zu einer Wanderung auf. Oben in den Bergen laufen wir über Schneefelder und bestaunen das Panorama der Fjorde mit den verschneiten Bergen. Und dann entdecken wir Schneehühner, bestens getarnt. Annette lädt mich am Nachmittag in das architektonisch gelungene moderne „Havnerhuis“ zu Kaffee und Kuchen ein. Am nächsten Morgen haben wir zunächst Windstille, gehen duschen und frühstücken und dann pfeift der Wind auch schon wieder von den Bergen.



















Zum Ablegen verholen wir das Schiff, damit es im Wind liegt. Auf See genießen wir einen wunderbaren Segeltag vor Wind mit ausgebaumter Genua. Eine Halse führt uns um das Kap in den Vopnafjörður, an dessen Ende der gleichnamige Hafenort liegt. Wir haben einen solch angenehmen Tag, leichte Winde, sagenhafte Landschaften und beste Laune! Wir finden den empfohlenen Schwimmsteg und können gegenüber dem Rettungskreuzer festmachen.
















Wir studieren das Wetter und die Strömungen. Die letzten Tage ist das Wetter ruhig, wir haben viele Sonnentage und mit 12°C ist es viermal so warm als bei unserer Ankunft. Wir wollen das ruhige Wetter nutzen, denn bald kommt stärkerer Wind. Das Kap Langanes ist berüchtigt für seine Nebelfelder und starken Strömungen mit „overfalls (Stromkabbelung, Kreuzsee)“. So entscheiden wir uns nach dem Einkaufen auszulaufen und über Nacht nach Þórshöfn (spricht sich Thorshöpen) zu segeln. Die Winde sind zunächst sehr wechselhaft, stabilisieren sich aber bald, wir setzen den Spi, aber nach kurzer Zeit dreht er und wir wechseln ihn wieder gegen die Genua, mit der wir das Kap anliegen können. Kurz vor dem Kap schläft der Wind ein, unter Maschine runden wir es. Wir sind drei Stunden zu früh, denn eigentlich empfiehlt es sich, das Kap bei „slag (Stillwasser, Stauwasser)“ zu runden. Wir haben aber keine Welle und nur kurz 1,5 kn Gegenströmung. Wir sind so glücklich, diese Passage bis zur nordöstlichsten Ecke Islands so leicht gemeistert zu haben, und freuen uns an der fantastischen Landschaft und dem unglaublichen Licht. Obwohl wir noch nicht die Höhe des Polarkreises erreicht haben und es erst Ende Mai ist, wird es nachts nicht mehr dunkel. Die letzten drei Bilder von Bord aus wurden zwischen Mitternacht und 1 Uhr morgens gemacht. Kurz danach ging die Sonne schon wieder auf. Um 02:30 Uhr machen wir nach 70 Seemeilen erst mal am Schwimmsteg fest, um etwas zu schlafen. Wir treffen Stefan, den netten Hafenmeister, der uns hilft, das Schiff umzulegen, denn unseren Platz beanspruchen die Fischer, und die wollen wir nicht verärgern. Stefan zeigt mir dann mit seinem Auto gleich bei einer Stadtrundfahrt das Thermalbad. Annette bekommt später von einem Fischer einen ýsa (Schellfisch) geschenkt. Lecker, die nächsten Abendessen sind gesichert…
















Wir bleiben erst mal in Þórshöfn im Hafen, denn für die nächsten Tage sind Schneeschauer und Temperaturen von -1 bis 1°C angesagt und 25 kn Wind aus ENE.
Grüße aus dem 26 Grad warmen Berlin in eine völlig andere Welt.
Liebe Christl, liebe Grüße zurück, wir haben hier 3°C und gestern Schneeschauer, aber davor waren es mehrere Tage mit Sonne und 12°C.Liebe Grüße Thomas und Annette Von meinem/meiner Galaxy gesendet