Nach drei Tagen im Industriehafen von Eiði zieht es uns weiter nach Vestmanna. Die Tide gibt uns 12 Uhr zum Ablegen vor, wir haben Glück, die Sonne scheint. Nachdem wir den Fjord nach Norden verlassen haben, segeln wir um das Nordkap von Streymoy herum. Wieder sind wir von der spektakulären Landschaft fasziniert. Bei schwachem Wind segeln wir teils mit Motorunterstützung die Westküste nach Süden. Die Welle ist zu stark für den Wind, die Genua wollen wir nicht setzen, da sie durch das Schlagen zu sehr leiden würde. Dafür schiebt uns die Strömung in die richtige Richtung. In Vestmanna sind wir erstaunt, dass der Ponton, der im Fischereihafen auf dem Satellitenbild noch zu sehen ist, in Wirklichkeit nicht mehr existiert. Wir fahren zum Ende des Fjords und trauen uns in den schmalen „small boat harbour“ und finden einen freien Platz am Kopf des nagelneuen Stegs. Ein netter Färöer ruft für mich den Hafenmeister an. Der ist damit einverstanden, dass wir hier liegen, es kostet wieder nichts, aber den Code für den Stromanschluss könne er uns nicht geben, da der Hafen nur für lokale Boote sei. Abends wird es kühl und wir helfen uns mit der Kabeltrommel selbst, indem wir uns aus dem Toilettenhäuschen Strom holen. Wir wandern am nächsten Tag entlang des Baches, der auch zum Wasserfall wird, in die Berge. Der Bach führt nur wenig Wasser, da in den Bergen drei Stauseen das Wasser sammeln und über Rohre den beiden Elektrizitätswerken im Tal zuführen. Duschen und Wäschewaschen können wir im Campingplatz. Leider funktioniert der Trockner nicht richtig und wir müssen wegen Nieselregen die gesamte Wäsche von zwei Maschinen unter Deck an Wäscheleinen trocknen. Das geht nur mit Elektro- und Dieselheizung parallel.

















Entsprechend unserem Dreitagesrhythmus wechseln wir nach Miðvágur auf der Insel Vágar, um dort Kathrin zu empfangen, die uns für drei Wochen besucht. Der Flughafen liegt mit dem Bus nur 5 Minuten vom Hafen entfernt, wir holen sie sozusagen mit der Anke-Sophie am Flughafen ab. Am nächsten Tag legen wir dieses Mal erst um 15 Uhr ab, da sich das Hochwasser natürlich inzwischen nach hinten verschoben hat. Die Abfahrt wird so gelegt, dass die Strömung uns mit mehr als 4 Knoten ordentlich den Vágafjørður nach Südostenschiebt. Teilweise können wir schön segeln und wir kreuzen bei düsterem Wetter in den Fjord von Miðvágur auf, die Wolken kommen fast bis auf Seehöhe herunter. Bei Nieselregen legen wir erst am Pier an und wechseln dann in den Fischereihafen, nachdem mir ein Fischer erklärt hatte, dass sein Nachbarplatz für ein paar Tage frei sein wird. Am nächsten Morgen überrascht uns die Sonne und ein wolkenloser Himmel, welch seltenes Glück! Ideal für die Wanderung zum Traelanípan. Die Wikinger sollen von dieser senkrechten Klippe ihre alten nicht mehr arbeitsfähigen Sklaven in die See gestürzt haben. Wir werden verwöhnt, auch der zweite Tag ist sonnig und führt uns in den Nachbarort Sandavágur, wo uns ein Weg entlang der Klippen zu einer 313 Meter hohen Felsnadel führt, die sich Trøllkonufingur nennt, wieder entsprechend einer Sage der Finger einer Trollfrau. Nach der Wanderung suchen wir das nette Café Fiskastykkið auf. Es ist ein historisches Warenhaus, das an einem Trockenpatz für Klippfisch steht. Annette lädt mich zu Cappuccino und Rhabarbercrumble ein. Es ist das beste Café der Färöer, es gibt leider nicht viele. Übrigens lässt das Wetter hier nur drei Nutzpflanzen auf den Inseln gedeihen: Kartoffeln, Steckrüben und Rhabarber.









Wir legen ab, nun zu dritt, und steuern den kleinen Hafen von Hestur an, der auf der gleichnamigen Insel liegt. Wir treffen nette Leute von hier, die uns erzählen, dass in dem Ort früher 120 Leute lebten. Heute sind es noch 5 Personen, die hier auf Dauer wohnen . Die Berge liegen in den Wolken, trotzdem unternehmen wir eine Wanderung hinauf auf die Hochebene. Es hat seinen Reiz, durch den Nebel zu stapfen. Als wir bei der Steilküste ankommen und uns der Wind und Regen ins Gesicht wehen, entscheiden wir uns lieber umzukehren.









Am nächsten Tag fahren wir wieder mit der Tide Richtung Tórshamn. Es ist schön, wieder hier zu sein und einige Tage dort zu verbringen, Kathrin kennt es ja noch nicht. Wir fahren an einem Tag mit der Fähre hinüber zur vorgelagerten Insel Nólsoy, um eine ausgiebige Wanderung zum Leuchtturm im Süden der Insel zu unternehmen. Im Anschluss genießen wir im Museum Cappuccino und Kuchen und ruhen uns mal in der Sonne aus, diese Gelegenheit haben wir ja hier im Norden sehr selten.










Bevor wir ablegen, hat Annette endlich noch einen wichtigen Termin. Seit sechs Wochen versuchte sie dutzende Male einen Termin bei einer Friseurin zu vereinbaren, immer mit der gleichen Aussage, dass die nächsten Tage nichts frei sei.

Als Nächstes erkunden wir die Insel Sandoy und finden einen Platz in dem winzigen Hafen von Skálavík. Uli von der Anuk hatte uns diesen Hafen und das tolle Café empfohlen. Wir freuen uns schon darauf, aber zuerst besteigen wir noch den Hausberg, um von dort einen Blick auf die um uns liegenden Inseln zu werfen. Als wir zurückkommen, bekommen wir von Björn, einem lokalen älteren Fischer, zwei Kabeljau geschenkt und daraus bereiten wir uns ein sehr schmackhaftes Abendessen zu. Ein anderer Färöer fragt uns später, ob wir mit ihm in die Nachbarbucht fahren wollen, da dorthin gerade Grindwale zusammengetrieben würden, um sie zu töten. Wir haben davon gelesen, wie sich bei diesem Spektakel das Meer rot färbt. Vom Verzehr der Innereien von Walen wird heute abgeraten, da sie stark mit Schwermetallen und anderen Umweltgiften belastet sind. Wir lehnen ja den Walfang ab, aber man sollte beachten, dass dieser hier eben noch üblich ist und es steht uns nicht zu, den Einheimischen Vorhaltungen zu machen, wenn nur einige gejagt werden und die Population dieser Walart groß ist und sie nicht vom Aussterben bedroht ist. Wir haben es vorgezogen, das Angebot höflich nicht anzunehmen.







Am nächsten Tag weht leider gar kein Wind und wir motoren mit Unterstützung der richtig gewählten Strömung bis zur Südspitze von Sandoy und dann auf der Westseite bis nach Sandur, wo uns der morbide Charm eines Fischereihafens empfängt. Wir fragen nach dem Hafenmeister, den es wohl nicht mehr gibt. Der befragte Fischer erklärt uns aber, dass es für uns auf der anderen Seite des Hafenbeckens besser sei, da wir dort keinem einen Platz wegnehmen würden.








Wir wandern wieder durch eine der wunderbaren Landschaften, sanfte hüglige Moore und scharf umrissene Klippen wechseln sich ab. Wir besuchen den Hexenfelsen Gívurin. Die Sage berichtet von einer blinden Hexe, der von einem Fremden ihr Gold geraubt wurde, das sie zu Staub zermahlt. Sie ruft eine andere Hexe, die den Fremden dann verfolgt. Der Felsen wurde durch lustige Strickereien eingewoben. Der Weg führt uns bis zu einem Strand, wo 1895 die Dreimastbark Principia strandete. Sie war auf dem Weg von Schottland zu den USA und kehrte wegen eines Brandes um und kam vor der Küste der Färöer in einen schweren Sturm. Von 28 Mann wurde nur einer gerettet, der sich an eine Ladeluke klammerte. Diese Ladeluke wird heute als Tisch in der Kirche von Kirkjubøur genutzt.
Am Nachmittag besuchen wir das Museum in Sandur und treffen dessen Kurator, der uns viel über den Sammler und seine Bilder erzählt. Sofus Olsen sammelte über 50 Jahre Werke von färöischen Künstlern und stiftete dieses Museum und seine Bilder dem Ort. Der Maler Ingálvur av Reyni malte in einem Bild seine fünfjährige Tochter. Darüber hängt ein Bild, das die Tochter am Tage ihrer Hochzeit zeigt. Dann erklärt der Kurator uns, dass er ein guter Freund des Künstlers sei und die Frau auf den Bildern seine nun 69-jährige Frau sei.


Nun ist es an der Zeit auf die südlichste Insel der Färöer zu wechseln, um von dort die Passage nach Schottland anzugehen. Ursprünglich wollten wir Tvøroyri ansteuern, aber da wir Wind aus SE haben, der stärker werden soll, und wir befürchten, dass der Schwell in den Fjord einläuft und wir keinen Platz im Hafen finden, entscheiden wir uns für Vágur, das wir in sehr guter Erinnerung von unserer Ankunft haben. Dies ist auch ein guter Punkt für den Beginn der Passage nach Süden. Es ist schön, wenn man mal einen Hafen anläuft und schon im Voraus weiß, was uns dort erwartet. Wir haben drei Tage, in denen wir auf den Hausberg Eggjavegur wandern, von wo wir diesmal eine wunderbare Aussicht haben. Den letzten Versuch hatten wir im Nebel und Dauerregen auf halber Strecke abgebrochen. Vielleicht erinnert ihr euch an die Bilder, wo wir auf der Bank sitzen und in den Nebel starren. Nun folgen Bilder von der gleichen Stelle bei Sonnenschein und T-Shirt-Wetter… Auf dieser Klippe hatten die USA im 2. Weltkrieg eine der Loran-A-Stationen aufgebaut, um den Flugzeugen und Schiffen über dem Atlantik eine Funknavigation zu ermöglichen, denn GPS gab es damals noch nicht. Die Station wurde bis 1979 genutzt, die Gebäude werden heute von den Schafen bewohnt.





Der Ex-Hurrikan Erin beschäftigt uns einige Tage sehr, da wir uns Sorgen über seinen möglichen weiteren Weg machen. Zum Glück wählt er den Weg, den die Prognosen vorhergesagt hatten, und bleibt auf dem Atlantik, wo er eine Kurve nach Island dreht und zurückkommt. Links seht ihr die Situation am Montag, als die Entscheidung fällt, rechts die Prognose für Donnerstag Mitternacht mit Wind aus ESE.


Als wir am Mittwoch morgens um kurz vor 6 Uhr ablegen, wissen wir, dass uns seine vier Meter hohe Welle aus Westen erreichen wird, wenn wir das Südkap passiert haben. Da der Wind aus östlicher Richtung kommt und die Strömung mit uns geht, entsteht eine gewaltige Kreuzsee. Leider ist der Wind zunächst noch sehr schwach, sodass wir die Maschine zur Unterstützung nutzen, um den vorgelagerten Felsen auszuweichen. Um der sich ankündigenden Seekrankheit vorzubeugen, werfen wir uns ausnahmsweise Reisetabletten ein. Der weitere Verlauf der Überfahrt wird zunächst anstrengend, da der angekündigte Ostwind leider eher ein Südostwind wird und wir für unseren Kurs 173° beinahe hoch am Wind laufen müssen, was bei dieser Welle ein ziemliches Stampfen bedeutet. Einen halben Tag später dreht der Wind auf Osten und wir haben bei schwächer werdender Dünung des Sturmtiefs ein angenehmes Segeln und können einen schönen Tag zwischen Sonnenauf- und -untergang genießen. Kurz vor unserem Ziel Stornoway segeln wir in eine schwarze Wand aus Schauern und bergen aus Vorsicht die Segel, um mit Maschine das letzte Kap zu nehmen und sind sehr froh, am Donnerstag um 22:15 Uhr anzulegen. Der Hafenmeister empfängt uns am Steg und erinnert sich an den Namen Anke-Sophie. Auch ich erkenne ihn wieder. Annette und ich waren Ostern 2022 hierher gesegelt und ich war mit Thomas K. einige Wochen später wiedergekommen, um von hier über die Orkney-Inseln nach Norwegen zu segeln.






Kaum sind wir in Stornoway angekommen, sehen wir auch schon das nächste Tief direkt auf uns zu ziehen. Wir entscheiden, ein paar Tage hier zu bleiben, denn wir wollen das Wetter lieber hier als in einer Ankerbucht abwettern, außerdem käme uns der Wind entgegen, was wir wenn möglich vermeiden wollen. Wir unternehmen eine Wanderung durch den weitläufigen Park, der vor 150 Jahren von einem reichen Eigentümer als Wald angelegt wurde, der sein Geld in China mit Opium gemacht hatte. Eine Besonderheit für uns, nach Monaten auf baumlosen Inseln wieder zwischen Bäumen zu wandern.
Unsere schottischen Bootsnachbarn erzählen uns von einem Konzert im Kulturzentrum An Lanntair, wo die schottische Band „Old Blind Dogs“ am Abend spielt. Wir bekommen noch Karten und sind spontan dabei. Vor allem der Dudelsackspieler begeistert uns mit der Art, mit der er seine Instrumente, darunter diverse Flöten, spielt. Wir kaufen im Anschluss eine CD.

Täglich beobachten wir die verschiedenen Wettermodelle, und fragen uns, wann und in welchen Etappen wir die 150 nm bis Kerrera Island bei Oban schaffen sollen, um Anke-Sophie dort ins Winterlager zu bringen, was ich bereits mit Tim organisiert hatte; wir waren dort im Winter 2021/22 und denken gerne daran zurück. Es sind für die nächsten ein bis zwei Wochen nur südliche Winde vorhergesagt, von Starkwind bis Flaute, sich schnell abwechselnd. Nach einem Gespräch mit Collin, unserem Nachbarn aus Tasmanien, entscheiden wir uns dafür, hier in Stornoway zu bleiben. Wir diskutieren die Möglichkeiten mit Martin, dem Hafenmeister. Wir dürfen im Inner Harbour, der sehr geschützt liegt, über Winter bleiben, wenn wir zumindest zeitweise an Bord leben, denn der Hafen ist mit seinen Annehmlichkeiten solchen Schiffen vorbehalten. Da wir sowieso zwischendurch nach dem Boot sehen wollen, passt das. Es wird das erste Mal sein, dass Anke-Sophie im Wasser überwintern wird. Da die schottischen Inseln im Einflussbereich des Golfstromes liegen, besteht nicht die Gefahr von Eis.
Wir mieten uns für einen Tag ein Auto, um einen Teil der Insel Lewis zu erkunden. Wir besuchen die Steinfelder von Callanish. Die 54 Steine stehen auf dem mystischen Kultplatz in der kargen Landschaft in Form eines keltischen Kreuzes und das seit 1.800 Jahren v. Chr. Neben dem Wehrturm „Dun Carloway Brouch“ besuchen wir die alte Torfstechersiedlung in Carloway. Die letzten reetgedeckten „Blackhouses“ wurden 1973 verlassen und später restauriert. Wir besuchen die Insel Great Bernera, die ebenfalls auf der Westseite der Insel liegt. Am Abend fahren wir über die Halbinsel Point an der Ostküste bis zum Leuchtturm Tiumpan Head, wo uns der Starkwind fast von den Klippen weht. Im letzten Licht zwischen Schauern besuchen wir noch die einsamen Strände bei Tolsta an der Ostküste nördlich von Stornoway.

Dann reist Kathrin ab und wir machen Anke-Sophie winterfest. Es ist viel zu erledigen und die Zeit vergeht schnell, bis wir am Sonntag den 07.09.25 die Fähre nach Ullapool nehmen werden, um über Edinburgh nach Berlin zurückzukehren.
Wir hatten eine fantastische Reise zu den Färöer -Inseln über Norwegen und die Shetland Inseln mit insgesamt 1655 Seemeilen und waren 109 Tage an Bord. Wir denken immer wieder zurück an die spektakulären Landschaften der Färöer Inseln, das besondere Licht und die netten Begegnungen mit den Menschen dort. Wir durften 5 ½ Wochen dort verbringen und haben dabei acht der 18 grünen Inseln besucht. Nächstes Jahr wollen wir von Stornoway nach Island segeln, um die Insel gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden.

Liebe Annette und lieber Thomas, wieder ein toller Bericht! Wir freuen uns auf das Wiedersehen, Annette * und Hans-Heinrich
Hallo lieber Thomas, jetzt noch mal zum Abschluss einen furiosen und spannenden weiteren Reisebericht, leider ohne Bilder, zumindest