In Balta Harbour haben wir drei Nächte verbracht und die Zeit genossen u.a. mit einer ausgesprochen eindrucksvollen Wanderung entlang der Klippen. Nun wollen wir das Nordkap von Unst runden und uns dabei den Leuchtturm Muckle Flugga von der Seeseite aus ansehen. Es ist ja immer wieder ein besonderer Szenenwechsel, wenn man einen Küstenabschnitt ein zweites Mal aus einer ganz anderen Perspektive sehen kann. Wir stehen um 5 Uhr früh auf, da um die Nordspitze von Unst starke Gezeitenströmungen entstehen, wenn man zum falschen Moment dort ist. Die Strömung setzt bis 6 Stunden nach Hochwasser (HW) Dover in westliche Richtung. Heute Morgen ist das HW um 02:31 Uhr, wir sollten also spätestens um 08:30 das Gebiet im Norden hinter uns gelassen haben. Es war ein leichter Ostwind angesagt, der sich dann verstärken sollte. Leider setzt er sich erst später als angekündigt durch, sodass wir leider den Motor länger als gewollt nutzen müssen.










Wir haben dann aber eine angenehme Fahrt bei bestem Sommerwetter bis hinein in den Whale Firth auf der Ostseite der Insel Yell. In dem 5 sm langen Fjord werden viele Muscheln gezüchtet, wir passieren große Bojenfelder, an denen die Muscheln wachsen. Am Ende des Fjords ankern wir und treffen die Segelyacht Morar Lass, die Jane und Ewan aus Glasgow gehört. Wir blasen das Dingi auf und setzen über an Land und wandern zum Einkaufen zum Hillshop, der in Mid Yell liegt. Von hier können wir auf die Ostseite der Insel hinunterblicken und sehen im Hintergrund die Insel Fetlar, die wir vor einigen Tagen besuchten.





Am nächsten Morgen heißt es wieder früh aufstehen, da die Strömung uns wieder nicht ausschlafen lassen möchte. Da hilft kein Diskutieren, die Tide geht vor. Dasselbe Spiel wie am Tag zuvor, der diesmal angekündigte Nordwind lässt auf sich warten, sodass wir zunächst unter Maschine durch die Frühnebelfelder motoren müssen, bis uns auf der Ostseite des Mainlands dann ein zartes Lüftchen langsam nach Süden bringt. Wir haben uns die Insel Papa Stour ausgesucht, da sie so abgeschieden vor der Westküste liegt und schön sein soll. Wir sind das einzige Schiff und versuchen zunächst am Pier anzulegen, was uns dann aber doch zu flach erscheint, und ankern lieber in der Bucht, um kein Risiko einer Grundberührung einzugehen. An Land treffen wir eine ältere Dame in der Kirche, die uns einiges von der Insel erzählt. Es leben nur noch sechs Personen hier. Wir hatten schon in Lerwick von der Kirche gehört, die mit viel Liebe und Aufwand renoviert worden war. Leider hatten wir das Einweihungsfest um eine Woche verpasst, wir wären gerne dabei gewesen. Wir unternehmen eine schöne Wanderung entlang der Klippen und sprechen bei der Rückkehr mit einer netten Frau von den schottischen Highlands, die hier neben dem Fährhäuschen ihr kleines Zelt aufgebaut hat. Das erinnert uns an unsere Reise nach Neufundland, wo wir auch in schönsten Landschaften zelten waren. Bei aller Schönheit der Inseln und Natur, wir sehen es immer wieder, wieviel Müll aus der See an den Stränden angeschwemmt wird. Die Verschmutzung der Weltmeere muss aufhören!













Wir verbringen eine ruhige Nacht vor Anker und wandern am Morgen noch ein Stück, bevor wir gegen Mittag mit der richtigen Tide Richtung Scalloway ablegen. Es ist für heute leider nur sehr schwacher Wind angesagt, aber dafür am Freitag viel Wind, den wir gerne im Hafen verbringen würden. Tatsächlich schläft der Wind immer wieder ein und wir motoren stückweise; zudem kommt starker Seenebel auf, in dem wir unser kleines Nebelhorn und das Radar testen. Uns kommt ein Fischerboot ohne AIS gespenstisch nahe, wir hören lange seine Maschine, sehen ihn aber erst sehr kurzfristig. Er hat unser Nebelhorn wohl nicht hören können bei dem Krach bei ihm an Bord. Wir tasten uns vorsichtig zwischen den Inseln bis Scalloway vor und finden einen guten Platz an der Pier vor dem Boating Club. Da kommen schöne Erinnerungen an Lerwick auf, wo wir auch eine gute Zeit hatten und im Boating Club nette Leute getroffen haben. Unsere Bootsnachbarn treffen wir später in der Bar, wo wir Fish and Chips essen und mehrere Pints zusammen trinken. Am nächsten Tag treffen wir Jane und Ewan wieder, gehen mit ihnen spontan auf ein Bierchen in den Boating Club und danach ins Hotel zum Essen. Wir hatten zu viert sehr ausgiebige Gespräche und einen kurzweiligen Abend, der seinen Höhepunkt wieder im Boating Club fand. Heute ist nämlich eine fishing competition. Am Pier filetiert Campbell seinen Fang und gibt uns davon eine riesige Menge ab. Es reicht nicht nur für uns vier, sondern auch noch für andere Segler. Zum Dank laden wir Campbell zum Bier ein und dürfen bei der Preisverteilung dabei sein. Sehr lustig! Und Annette hat gleich für den nächsten Tag zu Mittag rohen Fisch mariniert in Kokosmilch, Zitronensaft und Schalotten, ein Rezept aus dem Südpazifik, und am Abend gebratenes Makrelenfilet bis zum Abwinken. Den Tag darauf gibt es aus den Resten eine Fischsuppe, bei uns verkommt nichts!









Wir streunen immer wieder die Hafenpromenade entlang und freuen uns über diesen netten ruhigen Ort. Wir versuchen vergeblich einen Termin bei einer Friseurin zu bekommen. Beim Barber werden meine Haare geschnitten, lange Diskussion welche Länge die Friseurin beim Haarschneider einstellen soll. Unten: Vorher und nachher. Annette traut sich nicht. Vielleicht klappt es im nächsten Hafen…


Wir proviantieren und bunkern Diesel. Da der Wind sehr stark ist, hatten andere Segler einen Hol- und Bringedienst organisiert, bei dem leere Kanister bei der Bunkerstation gefüllt und mit dem Auto zu uns gebracht wurden. Wir tanken nur 40 Liter und ich frage den Tankwart, was er denn so an die Fischer verkauft. Er erzählt, dass die großen Trawler 300.000 Liter tanken. Was für eine gewaltige Menge. Es lohnt sich trotzdem, obwohl die Schiffe wegen der Beschränkungen nur 6 Wochen im Jahr fischen dürfen, bis die Fangquote erfüllt ist.
Wir besuchen das Museum und wir lernen viel über den „Shetland Bus“. Im zweiten Weltkrieg wurden von hier norwegische Widerstandskämpfer mit kleinen Fischerbooten unterstützt, die auf dem Hinweg Agenten und Waffen von Scalloway nach Norwegen brachten und auf dem Rückweg Flüchtlinge mitnahmen. Unter anderem den damaligen Kronprinz Olav, nach dem einiges an der Promenade benannt wurde. Dieser Wagemut der Fischer hat uns beeindruckt. Leider sind viele von ihnen von den Deutschen bei den Überfahrten umgebracht worden oder in Norwegen in Gefangenschaft geraten.



Dann überlegen wir uns, den günstigen Ostwind auszunutzen und entschließen uns, die Shetlands eine Woche früher zu verlassen als geplant. Der Ostwind wird durch ein Tief über England induziert, unten ist die Wetterkarte beigelegt. Das Wetterfenster verspricht für weitere zwei Tage Ostwind und das ist doch einfacher für uns, mit ihm über den Atlantik zu segeln als gegen einen später möglichen Westwind anzukreuzen. Das verkürzt zwar unsere Zeit auf den Shetlands, aber wir gewinnen dafür Zeit auf den Färöer Inseln. Hier die Wetterkarte bei der Abfahrt:

Und hier der Track unserer Route um die Shetland Islands herum:

Wir wählen uns Vágur auf der Insel Suðuroy im Süden der Färöer als ersten Anlaufpunkt, denn er ist ein Port of Entry. Bürokratie an Bord: Nun gilt es sich online bei den Shetlands auszuklarieren und mit anderen Formblättern sich per Email bei den Färöer-Inseln anzumelden. Schiff klarieren: Ich gehe in den Mast, um das Rigg vor der Überfahrt zu prüfen, danach großes Reinemachen: Die Wäsche wird gewaschen und die Kabine wird gewischt.
Zu Beginn setzt die Strömung in die richtige Richtung und der frische Wind mit bis zu 6 Bft. in den Böen schiebt uns bei raumen Winden sehr schnell unserem Ziel entgegen. Später schwächt der Wind sich etwas ab und dreht recht und kommt somit für uns achterlicher. In der zweien Hälfte beginnt deshalb die Genua immer wieder zu schlagen, wir müssen immer weiter abfallen, um die Geschwindigkeit halbwegs zu halten und würden so unserem Ziel nur mit Halsen vor dem Wind näher kommen. Irgendwann in der kurzen Nacht, es ist nur zwei Stunden dunkel, nehmen wir die Genua auf die Steuerbordseite, wir fahren also „Schmetterling“ mit nun direktem Kurs. Das läuft einige Zeit gut, aber dann kurz vor den Färöer-Inseln schwächt sich der Wind weiter ab, sodass bei der unangenehmen Welle die Segel ziemlich zu schlagen anfangen. Die letzten 15 Seemeilen nutzen wir lieber die Maschine, um die Segel und uns nicht noch mehr zu quälen. Durch die Wettervorhersage aber auch durch Berichte sind wir auf die berüchtigten Seenebel vorbereitet, die auch uns vor den Inseln einhüllen.



Um so schöner wird es, als wir endlich die grünen Hänge der Färöer vor uns sehen, als die Nebel Blicke auf Inseln freigeben. Insgesamt segeln wir die 182 sm über Grund in 30 Stunden, also einen Durchschnitt von 6 Knoten, was uns beeindruckt, denn im letzten Drittel werden wir wirklich langsam und müssen Umwege durch das Abfallen in Kauf nehmen und können trotzdem diesen guten Durchschnitt halten. Nun haben wir genügend Zeit für die Färöer-Inseln. Im Hafen werden wir sehr herzlich vom Hafenmeister und anderen Seglern begrüßt, wir fühlen uns gleich willkommen.





So ein toller Bericht, liebe Annette und lieber Thomas! Wir schicken Euch viele liebe Grüße aus der Bretagne, Annette* und Hans-Heinrich