Stralsund – Strömstad

Am Samstag, dem 14.09.24, fahren wir – Annette und ich – gemeinsam mit Jan mit der Bahn von Berlin nach Stralsund, um die erste Etappe unseres Herbsttörns zu beginnen. Aber zuerst müssen wir die Segel anschlagen, denn die Anke-Sophie hat endlich neue Wanten bekommen, die eigentlich schon im Frühjahr hätten montiert werden sollen. Wir haben uns für die sechs vor uns liegenden Wochen vorgenommen, dahin zu segeln, wohin der Wind uns schiebt. Eigentlich wollten wir nach Gotland und die Ålandinseln ansteuern, aber für die nächsten zehn Tage sind nur Winde aus Nord und später Ost angesagt. Kurzer Hand entscheiden wir uns um und segeln in die westliche Ostsee, warum sollten wir uns gegen den Wind nach Nordosten kämpfen, um dann womöglich beim Rückweg wieder Wind entgegen aus Südwest zu haben.

Die erste Nacht verbringen wir nach dem Klarieren und Bunkern noch auf dem Dänholm, treffen die Familie Gerlitz, die uns stolz ihr neues gebrauchtes Schiff zeigt, und segeln am ersten Tag nur das kurze Stück bis Barhöft.

Leider ist der wunderschöne Nothafen Darßer Ort geschlossen worden und der neue Ersatzhafen Prerow noch nicht eröffnet. Eigentlich wollten wir nach Klintholm auf Møn segeln, aber der steife Nordwind 5 Bft. baute schon eine unangenehme See auf und so  verlegen wir das Ziel nach Westen und nutzen den Wind für die 72 sm bis Fehmarn ohne das Hacken hoch am Wind. Da der Wind etwas abnimmt, setzen wir sogar den Spi, der uns bis in den Sonnenuntergang nach Westen zieht. Es wird spät, Annette kocht uns ein leckeres Gericht auf See und wir kommen in Burgstaaken erst in der Dunkelheit um 21.45 Uhr an. Die Tonnen der Einfahrt sind alle unbeleuchtet, aber mit einer starken Taschenlampe ist das kein Problem. Die „Haifischbar“ ist noch offen und wir sind dort herzlich willkommen und lassen den Abend dort lustig ausklingen.

Den Nordwind weiter nutzend geht es wieder unter Spi bis nach Olpenitz Grund an der Schleimündung. Wir kommen in Regionen der Ostsee,  zu denen wir bisher noch nie gekommen sind, und das stachelt uns an, bei dem jetzt von Nord auf Ost drehenden  Wind bis an das westlichste Ende der Ostsee zu segeln. Unter Spi segeln wir den ganzen Tag, auch die gesamte Flensburger Förde entlang im Zickzack unter Schiften bis in die allerletzte Bucht und trinken direkt nach dem Anlegen darauf in der Stadt ein Flens.

Da es nicht mehr weiter nach Westen geht, kehren wir um und Annette kreuzt uns gegen den Ostwind die Förde zurück und segelt uns dann nach Norden, wir setzen die Reise zu bisher nicht erreichten Zielen fort (kaum zu glauben, wir segelten um die Welt, aber kennen diesen Teil der Ostsee nicht) und übernachten in Sønderborg.

Wir segeln die enge Durchfahrt bei anfangs schwachem Wind, dann bei gutem Wind den mäandernden Weg durch den kleinen Belt zwischen Arøsund und Arø hindurch an Middelfart vorbei entlang der Küste Dänemarks bis nach Fredericia. Kurzentschlossen steuern wir den Gamle Havn (alter Hafen) an, der sehr nett für Segler genutzt wird.

Eigentlich wollten wir Fernando in Århus aufnehmen, aber leider müssen wir bei Nordost statt dem angesagten Ost kreuzen und der Wind schwächelt, sodass wir nach Horsens abdrehen. Bei Seenebel am nächsten Morgen erleben wir nun zu viert eine unwirkliche Welt und kreuzen zwischen Untiefen umher, bis wir den netten Hafen Mårup auf Samsø erreichen.

Am nächsten Tag zwingt uns der leichte Südostwind für viele Stunden den Motor zu nutzen. Wir wollten nach Anholt segeln, entscheiden uns aber dann für eine Nacht in Grenaa, um dann am nächsten Tag bei schönem Südost die Überfahrt nach Anholt unter Groß, Genua bzw. zeitweise unter Spi in 5 Stunden zu machen. Wir kommen schon um 14 Uhr an und haben Zeit für eine schöne Wanderung entlang der Dünen. Da am nächsten Tag der Wind aus SW mit guten 7 Bft. weht, bleiben wir auf Anholt und wandern zum Einkaufen in den Ort. Wir genießen die Zeit, erfreuen uns an den bunten Apfelbäumen am Weg und über den  leeren Hafen ohne Touristen. Während sich im Sommer hier die Schiffe drängeln, liegen jetzt nur zwei andere Yachten hier.

Die Überfahrt nach Schweden ist spannend, denn leider soll der Wind bei 5-6 Bft. von ESE rückdrehen auf E. Wenn er weiter drehen sollte, dann könnten wir Varberg nicht mehr ansteuern. Wir starten früh bei Sonnenaufgang, motoren bei noch schwachem Wind südlich um die Insel und können dann die Osttonne Østerrev anliegen. Nach der Tonne dreht der Wind tatsächlich, wir bleiben hart am Wind, die Anke-Sophie ist in ihrem Element und wir können Varberg gerade noch erreichen. Leider setzt ab 12 Uhr ein kräftiger Dauerregen ein. Wir bekommen die Auswirkungen des Tiefes zwischen England und den Niederlanden, das wir die ganze Zeit beobachtet haben, zu spüren. Die nächsten Tage sind Hafentage, das Kattegat muss mit diesem Starkwind ohne uns auskommen, Jan und Fernando müssen nach Hause und Annette und ich sind nun einige Tage zu zweit.

Annette und ich stehen nach vier Pausentagen in Varberg morgens um 6 Uhr auf, denn wir haben eine weite Strecke vor uns und wir wollen den kräftigen Südwind nutzen, auf den wir gewartet hatten. In der Nacht hatte es bis zum Aufstehen geregnet, aber beim Ablegen blinzelt uns die Sonne zu. Wir wollen Strecke machen, denn am Donnerstag wollen wir Stefan in Strömstad treffen. Draußen im Kattegat steht eine unangenehme Welle, eine alte aus dem Starkwind aus Westen gemischt mit der neuen Welle vom Südwind 3 zunehmend 5 Bft. Nach einigen Stunden der Schaukelei können wir in ein inneres Fahrwasser abbiegen und genießen das Segeln ohne Welle zwischen den Schären, müssen uns aber um so mehr konzentrieren, denn ein Fehler kann an den Felsen, die hier überall auch unter Wasser liegen, fatale Folgen haben. Am Abend erreichen wir nach 9 ½ Stunden und 58 sm Marstrand. Wir erkennen den Ort kaum wieder. Wegen der späten Jahreszeit sind wir die einzigen Gäste im Hafen. Wir kennen den Trubel im Ort und würden ihn in der Hauptsaison meiden. Am späten Abend nutzen wir noch die Waschmaschinen und Trockner, die hier in der Hafengebühr inkludiert sind.

Am nächsten Morgen wieder frühes Ablegen, um den heutigen Ostwind zu nutzen, der ideal für unseren Nordkurs ist. Wir wissen, dass er bald abflauen wird, siehe den Wetterbericht 01.10.2024:

EIN STURMTIEF 991 NOERDLICH DER LOFOTEN ZIEHT NOERDLICH AM NORDKAP VORBEI IN RICHTUNG BARENTSSEE. EIN WEITERES STURMTIEF 997 UEBER DER SUEDWESTLICHEN NORDSEE SCHWAECHT SICH AB UND ZIEHT LANGSAM NACH TSCHECHIEN. EIN HOCH 1035 UEBER NORDWEST-RUSSLAND WANDERT OSTWAERTS. EIN WEITERES HOCH 1024 SUEDLICH ISLANDS WANDERT NACH SCHOTTLAND UND BILDET EINE BRUECKE ZUM HOCH UEBER WESTRUSSLAND AUS.

Im westlichen Skagerrak und Kattegat sind 35 kn Wind (8 Bft.) angesagt, hier im ablandigen Wind genießen wir das schnelle Segeln ohne Welle bei 20-25 kn aus Ost bei halbem Wind. Wir haben uns für  einen Kurs außerhalb der Schären entschieden, um schneller voranzukommen. Zwischen den Schären geht es im Zickzack um die Inseln herum und wir würden wegen der Abdeckung oft gestörten Wind haben. Leider sehen wir aber dadurch die fantastische Inselwelt nur von außen. Zwanzig Seemeilen vor Strömstad entscheiden wir uns dann doch, in die Schären abzubiegen und segeln hoch am Wind in den engen Fjord nach Havstenssund und können den Kurs bis kurz vor dem Hafen beim auf NE drehenden Wind anliegen. Wir sind fasziniert vom Licht während des Segeltages und studieren die Wolkenbilder. Beim Gang durch den Ort zeigt sich zum Sonnenuntergang noch einmal die Sonne und taucht auch den Ort in ein unwirklich schönes  Abendrot. Wir haben 56 sm in 8 ½ Std. wieder allein mit Windkraft zurückgelegt, diese Nachhaltigkeit gefällt uns.

Nach einer gemütlichen Nacht kreuzen wir zwischen den Schären gegen den schwachen Wind nach Norden, der Hochdruckeinfluss ist zu spüren, es wird warm, wolkenlos und Anke-Sophie zieht brav ihre Schläge zu unserem Ziel Strömstad, wo wir am 03.10.24 Stefan P. treffen wollen.

2 Antworten zu “Stralsund – Strömstad

  1. Liebe Annette und lieber Thomas, das ist ja wieder eine tolle Seereise. Den westlichen Teil, den Ihr bisher nicht kanntet, habe ich vor vielen Jahren – vor der Wende – auch abgesegelt, aber nicht alle Orte. Ihr habt ja, wenn ich das richtig verstanden habe, noch eine ganze Zeit vor Euch. Dafür wünsche ich Euch eine schöne Zeit. Viele liebe Grüße von Annette* … und auch Hans-Heinrich lässt herzlich grüßen!

    • Liebe Annette,

      Vielen Dank für deine Zeilen. Uns geht es sehr gut. Wir wollen bis Oslo segeln, aber der Hochdruckrücken von Island bis Russland gibt uns zwar sommerlichen Wetter, aber keinen Wind. Wir wollen Ende Oktober das Boot in Stralsund rausgehen und winterfest machen. Wir sehen uns im November…

      Liebe Grüße von Thomas und Annette

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