Farsund – Lerwick

Von Farsund segeln wir die Westküste Norwegens in Etappen nach Norden. Leider weht uns der Wind aus NW entgegen, sodass wir kreuzen müssen. Wie suchen uns geeignete Wetterfenster mit möglichst nicht zu starkem Wind aus, und wenn es in den frühen Morgenstunden ist, und erreichen den Nordfjord westlich von Rekefjord bereits um die Mittagszeit. Es ist ein Tipp von Uli, die uns ihre Lieblingsbucht empfohlen hat. Wir können uns direkt an einer Felsenklippe längsseits festmachen und den Hang hoch krakseln, um die Aussicht hinab zum Boot zu genießen.

Weiter geht es bis Hellvik, wo wir einen kleinen Hafen entdecken, der für die zu erwartenden Winde geschützt erscheint. Es stellt sich dann heraus, dass es ein Privathafen ist, der eigentlich nicht auf Gäste ausgelegt ist. Aber wir dürfen bleiben und müssen nur für den Strom 5 Euro bezahlen. Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben und am nächsten Morgen früh um 3 Uhr starten, denn da sollte für ca. 5 Stunden noch ein moderater Wind aus Südsüdost wehen, also ideal für uns. Um die Mittagszeit wächst er zu einem Starkwind an mit bis 40 Kn, dem wir durch den frühen Start ausweichen wollten. Dann prüfe ich aber noch das amerikanische Wettermodell GFS und siehe da, es werden sogar über 50 Kn aus SSE vorhergesagt. Das wären 10 Bft. Ich glaube das zwar nicht, aber wir sind trotzdem vorsichtig und bleiben eine zweite Nacht an unserem privaten Steg, draußen regnet es und ich tippe im Trocknen, das Prasseln auf dem Deck in den Ohren passend zu einem Oboenkonzert von Bach. Ich denke über die weltpolitischen Zusammenhänge nach. Trump hat Hunderte von Meteorologen der NOAA, der Wetter- und Ozeanbehörde, durch DOGE entlassen lassen und wir wundern uns, warum das Modell ungenauer wird. Weniger Messdaten durch Personalmangel können Wettermodelle beeinträchtigen. Wir nutzen den Hafentag für kleinere Reparaturen an Bord.

Es heißt wieder früh aufstehen, denn der Wind kommt morgens noch aus SW und soll später auf West drehen. Die ANUK war durch den Limfjord gefahren und startete gestern in Tyborøn. Wir haben uns auf der Insel Kvitstøy vor Stavanger verabredet. Auf See stellen wir fest, dass Uli 20 sm hinter uns liegt. Wir  können unseren Kurs entlang der Küste anliegen und tatsächlich dreht der Wind nicht nur auf West, sondern sogar bis NW, sodass wir hoch am Wind segeln müssen. Der Wind wird wechselhaft, mal flaut er ab und mal frischt er bis auf 17 kn auf, je nachdem welche schwarze Wolke gerade durchzieht. Kurz nach Mittag legen wir uns an den alten Holzsteg an diesem verwunschenen Ort und warten, bis die ANUK eintrifft. Es ist ein tolles Wiedersehensgefühl, als ich das große blaue Schiff um die Ecke kommen sehe. Uli legt sich elegant an den letzten verbliebenen Platz, direkt vor uns. Wir, Uli, Kiki, Thomas, Dieter, Annette und ich, feiern das Wiedersehen mit einem Anleger-Getränk auf der ANKE-SOPHIE und haben ein gemeinsames Abendessen auf der ANUK. Da der nächste Tag durch Starkwind und Dauerregen geprägt ist, bleiben wir gerne im Hafen und wandern gemeinsam über die Insel.

Wir haben uns  eine kleine Bucht auf der Schäre Austerøyer nordöstlich von Kvitstøy ausgesucht. Wie starten gemeinsam durch das enge Fahrwasser hinaus in das Inselarchipel und können Kurs halten zu unserem Ziel und  durch den Sund aufkreuzen, lediglich unter der Brücke schalten wir aus Sicherheitsgründen die Maschine an. ANUK hat mit ihrem Schwenkkiel natürlich nicht die Segeleigenschaften der ANKE-SOPHIE, aber wir wissen, bei Starkwind kehren sich die Vorteile um, gar nicht zu sprechen, wenn es ins Eis wie vor Grönland geht. Hier in dieser Inselwelt und bei 4-5 Bft. gegenan hat ANKE-SOPHIE klar ihre Vorteile.

Wir finden den kleinen Steg mit genügend Wassertiefe in unserer Wunschbucht und wir legen nebeneinander an. Wir streifen über die Insel und sammeln gemeinsam die ersten Blaubeeren. Abends wird bei Sonnenschein auf den Schären gegrillt. Was für ein Leben!

Am nächsten Morgen schlängeln wir uns durch die Schären in den Sund und setzen dort den Spi, da der Wind noch moderat aus Süden weht, ideal für unseren weiteren Weg nach Norden. Kaum steht der Spi dreht der Wind und kommt überachterlich. Nach einer Schifte müssen wir immer weiter anluven, bis wir beinahe hoch am Wind segeln. Außerdem kommen Böen und es wird eng vor uns, von hinten nähert sich ein Kreuzfahrtschiff. Wenigstens bieten wir denen einen schönen Anblick, dann verschwindet der Spi wieder unter Deck und wir setzen unsere Fahrt entlang Haugesund weiter unter Groß  und Genua. Wir hatten uns in der kleinen Bucht Pillapollen auf der Insel Teløy südlich des Selbjørnsfjorden verabredet. ANKE-SOPHIE darf sich nach 48 sm neben die ANUK längsseits legen, die selbst vor Anker in der geschützten Bucht liegt. Wir kochen gemeinsam und haben wieder einen gemütlichen Abend, während es draußen bläst und schüttet.

Der Anker der ANUK geht auf und wir segeln gemeinsam durch die Schären nach Bergen. Leichte Winde verschaffen der ANKE-SOPHIE wieder Vorteile, wir segeln entlang der Fjorde bis nach Bergen hinein. Das letzte Stück müssen wir aber zusätzlich den Motor anwerfen, um die bestellte Brückenöffnung um 14 Uhr zu schaffen. Wir probieren den Hafen Marinehomen südlich des eigentlichen Hafens aus, um dem Trubel dort zu entkommen. Eine gute Wahl, denn wir fühlen uns hier wohl und machen unsere Ausflüge ins Zentrum zu Fuß und streifen durch die Straßen der verschiedenen Viertel.

Wir besuchen die Bergen Kunsthall, wo Tori Wrånes seine Performance „Moon Bag“ installierte. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Oslo und ist international präsent. Die Bilder sprechen für sich. An unserem letzten Abend in Bergen besuchen wir ein nettes Restaurant „Storstuen“ (übersetzt; das tolle Zimmer) gegenüber unserem Liegeplatz. Wir kommen mit dem Musiker Nicolay Legander ins Gespräch, der dort auf seiner Gitarre norwegische und internationale Lieder spielt und singt. Er scheint bekannt zu sein, denn auf Spotify finden wir mehrere Platten von ihm.

Nun steht die 185 sm lange Überfahrt zu den Shetland Islands an. Die ANUK wird am Montag um 7 Uhr starten. Es sind zu Beginn südlicher Starkwind bis 32 kn angesagt und auf der zweiten Hälfte abflauende westliche Winde. Die ANUK ist als fast 15 m lange stabile Yacht aus Aluminium geschaffen für solche Winde. Annette und ich entscheiden uns , am Dienstag zu starten, da dann die Winde wesentlich schwächer sein werden mit dem Nachteil, dass wir mit Flauten und Gegenwind rechnen müssen. Wir haben immer wieder die verschiedenen Wettermodelle mit PredictWind studiert und entscheiden uns für eine Nacht auf der vorgelagerten Insel Rong in Ternholmen und wandern um die Insel.

Wir legen erst um 10:30 Uhr am Dienstag ab, da in den Morgenstunden gewaltige Regenschauer über uns hinwegwehen und ich noch eine Videokonferenz habe. Zunächst haben wir frische südliche Winde und als die erwartete Front über uns hinwegzieht, herrscht für ein paar Minuten Flaute, bis sich Winde aus Norden durchsetzen, die später nach Nordwest drehen. So können wir die meiste Strecke den Kurs anliegen, fahren aber immer wieder unter recht schwachen Winden recht langsam. Die erste Nacht auf See, in der es auf unserer Breite von 60 ° nicht dunkel wird, segeln wir an riesigen Bohrplattformen vorbei, ein imposanter Blick vor orangefarbenem Hintergrund. Am Mittwoch gegen Mittag dreht der Wind wie vorhergesehen auf West und wir kreuzen bei leichten Winden unserem Ziel entgegen. Am Nachmittag frischt der Wind etwas auf und wir tauschen die Genua gegen die Fock, leider schläft er dann um 21 Uhr wieder ein und wir starten die Maschine. Über Nacht, die zweite auf See, kommt er zum Glück wieder und wir kreuzen in langen Schlägen unter Genua den Shetland Islands entgegen. Wir sind erschöpft,  aber froh, als wir um 6 Uhr nach 44 Stunden im Albert Dock festmachen, was uns die Port Authority über Funk zugewiesen hatte. Da Großbritannien nicht mehr in der EU ist, mussten wir uns im Vorfeld ein ETA online besorgen und mussten die Ankunft der ANKE-SOPHIE über ein neues online-Portal „Pleasure Craft Report Service“ anmelden. Nach Ankunft registrieren wir uns online im Hafen von Lerwick und rufen die Border Control an. Nach dem Frühstück klingelt tatsächlich das Telefon und ich werde zurückgerufen und darf nach dem Einklarieren per Telefon die gelbe Quarantäne-Flagge einholen. Auf dem Weg zum Boatingclub, wo die Duschen untergebracht sind, erinnere mich an die Zeit mit Thomas K., die wir hier vor drei Jahren  auf unserem Weg von Schottland über Orkney und Fair Isle bei schlechtem Wetter verbracht hatten. Ich rufe ihn gleich an und erzähle, dass hier alles noch so ist, wie wir es kennengelernt hatten. Wir ruhen uns erst einmal aus und freuen uns, dass die ANUK gegen Mittag hinter uns anlegt. Sie hatten die Zwischenzeit auf der nördlichen Insel Unst verbracht. Am Sonntag werden sich unsere Wege trennen, denn die ANUK wird zu den Orkney Islands segeln, während wir die nächsten vier Wochen hier auf den Shetland Islands verbringen wollen, bevor es dann zu den Färöer Islands gehen soll.

Hier ist die Überfahrt auf dem Übersegler dargestellt. Ihr seht unter der Schnur die Positionen, die ich alle drei Stunden eingetragen habe.

Eine Antwort zu “Farsund – Lerwick

  1. Thomas K. meldet sich hiermit und freut sich riesig, dass Ihr es bis zu den Shetland Island nun geschafft habt, ganz schön gut um mit dem Wetter und den schlechter werdenden Wetterberichten umzugehen. Eure Bilder sind traumhaft und die Stimmung kommt im Text bei mir fantastisch an, ja ich war letztes Jahr mit Thomas am selben Ort und kann meine Begeisterung gerade kaum zügeln wie beeindruckend und intensiv die Bedingungen und dieser schöne wilde Teil unserer Erde ist. Danke von Thomas K.

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