2025 – Holpriger Start mit Hindernissen

Letztes Jahr ist uns auf dem Rückweg von Oslo der Motor kaputt gegangen, da sämtliches Kühlwasser des inneren Kreises durch einen undichten Dehnungsstopfen ausgelaufen war und die Maschine überhitzte. Nach vielen gedanklichen Schleifen entschieden wir uns für eine neue Maschine und einen neuen Saildrive mit einem Liefertermin 31.03.2025. Unsere Reise nach Island sollte am 1. Mai beginnen. Leider kommen wir nun erst mit einem Monat Verzögerung los, da uns Volvo Penta in Schweden 7 Wochen lang im Stich gelassen hat. Wir hatten eine schwierige Zeit, da das Werk überhaupt nicht kommunizierte und keine Gründe und auch keine Termine nannte. Wir überlegten viele Varianten, bis wir dann doch eine Lieferzusage für den neuen Motor bekamen. Endlich sind wir soweit: Den neuen Motor „Volvo Penta D1-30F“ und den neuen „Saildrive 130S-D“ bauen wir am 23.05. ein. Die Anke-Sophie schwimmt wieder, der Mast wird einige Tage später gestellt, es müssen noch Arbeiten an den Wantenspannern und der Talje des Achterstags durchgeführt werden, leider sind alle Beteiligten im Frühjahrsdruck, dann schlagen wir das neue Großsegel und die Genua an und erledigen vieles, manches muss noch auf später warten.  Der Windgenerator „Silent Wind“ und die Windfahnensteuerung „Pacific“ sowie der Außenborder „Suzuki 2,5 PS“ werden wieder an Bord geschraubt und die Anke-Sophie verproviantiert.

Über Himmelfahrt kommen Stefan und Pia aus Lübeck. Stefan begleitet uns auf der Probefahrt, die wir mit dem traditionellen Herrentagstörn zusammen mit 5 weiteren Booten des Yachtclubs Leipzig erst einmal in den Gewässern um Rügen verbringen: Seedorf, Karlshagen und Wieck bei Greifswald. Bei der Probefahrt fällt uns das Anzeigeinstrument von Raymarine ST60 Tridata aus, plötzlich, nach 21 Jahren, hat es seinen Dienst verweigert. Zum Glück habe ich in Erinnerung, dass unser Segelmacher Jan sein altes ausgebaut und noch im Lager liegen hat. Das baue ich ein und siehe da, alles funktioniert wieder nach dem Kalibrieren…

Wir müssen wegen der Verzögerung dieses Jahr unsere Pläne ändern und können erst nächstes  Jahr bis Island segeln. Nach einem Erkunden der Shetland und der Färöer Inseln wollen wir nach Schottland zu den Äußeren Hebriden abbiegen und das Schiff z.B. in Stornoway über den Winter 2025/2026 lassen, um dann von dort 2026 rund Island zu segeln. Leider sagen uns durch die Terminänderungen viele unserer Mitsegler/-innen  ab, sodass Annette und ich die meiste Zeit zu zweit segeln werden, wir sind trotzdem guter Dinge, auch wenn wir gerne Freunde und Freundinnen  auf unseren Touren bei uns haben.

Am 02.06. stechen wir endlich in See, die erste Nacht verbringen wir in Barhöft, wo wir den Seenotrettungskreuzer Nis Randers besuchen, dessen Beiboot Uwe uns im Herbst nach dem Motorschaden in den Hafen geschleppt hatte. Dann ein Spaziergang entlang des Fahrwassers nach Zingst.

Am nächsten Morgen segeln wir nach Nordwest, hoch am Wind nach Klintholm auf Møn, unser erstes Ziel in Dänemark, eine gute Passage, ein gemütlicher Hafen, wir spazieren den Strand entlang und genießen, endlich auf unserer Reise zu sein und zunächst uns gut bekannte Ziele zu besuchen.

Wir haben Südwind. Auf der Suche nach dem Grund dafür finde ich ein kräftiges Tief über den Färöern, gut, dass wir noch nicht dort sind.

Nach einer weiteren gemütlichen Nacht segeln wir entlang der Küste von Møn bis zu den Kreidefelsen und setzen dann den Spi, um den Sund nach Norden zu segeln. Leider sind die Winde wechselnd und die Welle störend, sodass wir immer wieder Manöver haben. Schweinswale begleiten uns ein Stück. Als der Wind einschläft, entscheiden wir uns, den Hafen von Skanör anzusteuern. Dort muss ich in den Mast, um einige Arbeiten zu erledigen. Der Radarreflektor war nach dem Wechsel der Wanten nicht montiert, die oberen Lager der Rollreffeinrichtung müssen noch geschmiert werden, beides nicht erledigte Punkte auf der to-do-Liste und das Lazy-Jack an Backbord ist heute gerissen. Danach wieder ein Strandspaziergang und ein weiterer gemütliche Abend an Bord bei gutem Essen.

Wir segeln den Sund weiter nach Norden unter Spi bis zur Øresundbrücke. Der Wind nimmt zu und die weitere Strecke fahren wir unter Schmetterling. Die Genua reffen wir, als der Wind auf 20 Kn zunimmt. Trotz schwarzer Wolken bleiben wir trocken, bis wir im Hafen von Helsingborg ankommen. Die Stadt ist im Freudentaumel der jungen Leute, denn heute ist der Schulabschluss und alle feiern auf den Straßen. Wir legen einen Hafentag ein, da Starkwind aus West mit 38 kn angesagt ist, und nutzen die Zeit, um einen erneuten Versuch zu starten, die Undichtigkeiten in der Bugkabine abzudichten. Wir drücken eine ganze Patrone Sikaflex hinter die Schwalbennester an die Nahtstelle zwischen Rumpf und Deck. Am Nachmittag steht Wäschewaschen auf dem Programm.

Am Samstag stehen wir um 4:40 Uhr auf, wir wollen früh los, denn der Wind soll in den Morgenstunden mit 13 – 16 kn aus West für uns günstig sein für unseren Schlag nach Anholt und am Nachmittag abflauen. Wir haben eine sehr schnelle Überfahrt und machen in Anholt um 15 Uhr wieder vor einem Schauer fest. Unterwegs kam viel Wasser über das Vordeck, da wir recht hoch am Wind fuhren und wir waren gespannt, ob sich unsere Abdichtaktion gelohnt hat. Leider sind fast alle Handtücher nass, mit denen wir die Zwischenräume hinter den Schwalbennestern ausstopfen und unter die Matratze legen. Leider wieder ein Misserfolg.

Wir wollen drei Tage auf der Insel Anholt bleiben, denn einen Tag wird der Wind zu schwach und am nächsten Tag zu stark sein. Wir freuen uns auf Wanderungen und Radtouren, es ist fast wie nach Hause zu kommen, denn  mit Jan und Fernando hatten wir letzten Herbst auf unserem Weg nach Oslo hier einen Zwischenstopp und diesen bei Wanderungen über die Insel im fast menschenleeren Hafen sehr genossen. Dieses Mal wandern wir immer den Strand entlang bis zum Anholt Fyr und den Ørkenvej zurück. Übersetzt heißt das Wüstenweg, denn vor langer Zeit wurden die Kiefern im Ostteil der Insel abgeholzt, und heute führt der innere Weg durch eine wüstenähnliche Landschaft, überall sehen wir Krähenbeeren, die mich sehr an Grönland erinnern, denn Uli hatte dort Marmelade aus ihnen gekocht.

Die letzte Nacht heulte der Wind in der Takelage, welch gutes Gefühl bei 7-8 Bft. im sicheren Hafen zu liegen und morgen geht es weiter nach Norden…

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